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Gibt es bald zwei Mal zwei Sterne?

Vieles deutet darauf hin, dass Hubert Obendorfer mit seinem Restaurant in Hofenstetten die „Michelin“-Kritiker überzeugt hat.

Der November ist der Monat der Feinschmecker. Alle Jahre wieder werden die Sterne und Hauben in der Spitzengastronomie verliehen. Einiges deutet darauf hin, dass die Oberpfalz in wenigen Tagen ein zweites Restaurant auf Zwei-Sterne-Niveau haben könnte. Küchenchef Hubert Obendorfer kochte sich mit dem Restaurant „Eisvogel“ im Hotel Birkenhof in Hofenstetten (Lkr. Schwandorf) in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben. Nun klingen die ersten Kritiken dieses Jahres verheißungsvoll. Das Gourmetmagazin „Feinschmecker“ bewertete das Restaurant mit vier von fünf „F“. Damit zieht der „Eisvogel“ mit Thomas Kellermann, Küchenchef im „Kastell“ auf Burg Wernberg in Wernberg-Köblitz (Lkr. Schwandorf), gleich. Kellermann hat 2011 seinen zweiten Stern erkocht.

Obendorfer hat in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass bei einem Michelin-Stern für ihn noch nicht Schluss ist. „Das wir jetzt vier Feinschmecker-F bekommen haben, das war einfach nur ein Gefühl von ‚Wow’“, sagte er kürzlich in einem Gespräch mit mittelbayerische.de. 

Gemeinsam mit seinem Küchenchef Christian Schider, der schon seit seiner Ausbildung im Hotel Birkenhof kocht, scheint es Obendorfer in diesem Jahr gelungen zu sein, bei den Testern neue Geschmackserlebnisse auszulösen. „Die Küche hat an Esprit und Präzision noch einmal zugelegt, bleibt dabei in der Aromatik bewusst überschaubar, und setzt auch einen Schmorklassiker wie Kalbsherz elaboriert in Szene“, heißt es unter anderem in der Kritik des „Feinschmecker“. Der „Aral Schlemmer-Atlas“ empfiehlt einen Abend im „Eisvogel“ als „Fest für alle Sinne“. Obendorfer sei ein „Künstler mit Leidenschaft und vor allem Erfahrung“. Dafür gibt es vier von fünf Bestecken. Zuletzt hatte der Varta-Führer seine Wertung veröffentlicht und vier von fünf Diamanten vergeben.

Jetzt wartet Obendorfer mit seinem Team gespannt auf die Urteile der zwei wichtigsten Feinschmecker-Bibeln. Doch der Michelin lässt sich in diesem Jahr Zeit. Erst am 1. Dezember werden die Sterne verkündet. „Wir sind schon so gespannt“, heißt es auf der Facebook-Seite des Restaurants, wo jede der bisherigen Wertungen als „Eilmeldung“ bekanntgegeben wurde. Ob es mit dem zweiten Stern klappt, dürfte sich bereits am kommenden Dienstag abzeichnen, dann verleiht der Gault Millau seine Hauben. Bislang wird das Restaurant mit 17 Punkten und drei Hauben gelistet. Kann die Küche des „Eisvogel“ hier seine Wertung weiter verbessern, dann dürfte Obendorfer wohl auch die Michelin-Tester überzeugt haben.

Zieht Kellermann in die Spitzenliga?

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Dass der Landkreis Schwandorf dann über gleich zwei Zwei-Sterne-Lokale verfügen würde, wäre schon außergewöhnlich genug. Doch es könnte sogar noch eine größere Überraschung geben. Denn Thomas Kellermann will es seinem Vorgänger Christian Jürgens (jetzt Restaurant „Überfahrt“ am Tegernsee) gleichtun und auf den dritten Michelin-Stern nachziehen. Derzeit hat Jürgens in Bayern als einziger Spitzenkoch die höchste Auszeichnung des Michelin-Führers erkocht. „Wir sind auf dem Weg“, hatte Kellermann im vergangenen Jahr angekündigt. Unter den besten Köchen Deutschlands rangiert er bereits jetzt auf Platz 23. Seine zwei Sterne hält das „Kastell“ seit fünf Jahren. Die Hürde vom zweiten auf den dritten Stern gilt allerdings als extrem hoch. Das musste auch Christian Jürgens erfahren, der im Restaurant Überfahrt seit 2009 für die Auszeichnung gehandelt wurde, den dritten Stern aber erst 2013 verliehen bekam. Inzwischen gilt der ehemalige Oberpfälzer aufgrund seiner Spitzenbewertungen als zweitbester Koch Deutschlands hinter Joachim Wissler vom Vendôme in Bergisch-Gladbach.

In den drei Ein-Sterne-Küchen in der Oberpfalz wird es wohl keine Veränderungen geben. Anton Schmaus vom „Storstad“ hat zwar Ambitionen, wie er im vergangenen Jahr durchblicken ließ, doch derzeit konzentriert er sich auf seine beiden neuen Projekte. Vor wenigen Tagen wurde das „Sticky Fingers“ in Regensburg eröffnet, in dem kreatives Fingerfood serviert wird. Im kommenden Jahr wird Schmaus zudem Kaffeehaus-Besitzer im Fürstlichen Schloss. Das „Soul Food“ in Auerbach (Lkr. Amberg-Sulzbach) muss seinen noch jungen Stern erfolgreich verteidigen. Das will auch Gregor Hauer vom „Gregor’s Fine Dining“ in Rötz.

Spannend wird es in Riedenburg. Dort kocht seit zwei Jahren mit Rüdiger Forst ein ehemaliger Sternekoch. Kehrt er mit dem „Forst’s Landhaus in die erste Liga zurück? 

Auf Mittelbayerische Maps finden Sie die fünf Sterneküchen in der Oberpfalz:

Text: Isolde Stöcker-Gietl; Fotos: Ralf Gohlke, dpa
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