Hair & Beauty

Unter Beschuss der Kosmetologin

Die Regensburgerin Claudia Kritzenberger, Inhaberin von hairfree & esthetique, hat etwas gegen Tattoos – ihren Laser. (Foto: Schönberger)

REGENSBURG. Chinesische Schriftzeichen zwischen den Schulterblättern, ein Stacheldraht-Reifen am Oberarm, ein „Geweih“ über dem Gesäß – mit Beginn der Bikini-Saison kommen sie ans Licht. Jeder sechste Deutsche trägt inzwischen ein Tattoo, besagt die Statistik. Dass die permanente Körperbemalung aber auch permanentes Unbehagen auslösen kann, belegen die Zahlen ebenso: Mehr als 20 Prozent wollen ihr Tattoo wieder loswerden – Tendenz steigend.

Davon profitiert unter anderem Claudia Kritzenberger, die in Regensburg seit nunmehr zwölf Jahren das Institut hairfree & esthetique betreibt, das sich neben Haar- auch auf Tattoo-Entfernung spezialisiert hat. „Inzwischen wird es durchaus als etwas Besonderes angesehen, nicht tätowiert zu sein“, sagt die 48-Jährige. Gerade Frauen würden mittlerweile in zunehmendem Maße dem Zeitgeist trotzen und jetzt, wo – gefühlt – jede(r) eine Tätowierung hat, ihre eigene ablehnen und ablegen, erzählt sie aus ihrer Praxis. Ihrem sechsköpfigen Team von sogenannten Beauty-Kosmetologinnen steht dafür die neueste Laser-Technologie zur Verfügung, die die dermatologische Uhr zurückzudrehen vermag und den gestochenen Hautschmuck verschwinden lassen kann.

Es ist wirklich unglaublich, mit welchen Tattoos Menschen zu uns kommen“, sagt Claudia Kritzenberger – und erinnert sich an das Bayern-Wappen auf einer Po-Backe, einen unförmigen Gockel auf einem weiblichen Oberschenkel und den Intimbereich eines männlichen Kunden. „Eigentum von Maria“ (Name von der Redaktion geändert) sei dort geschrieben gewesen. „Ich denke immer, es gibt keine Steigerung, und dann erlebt man doch wieder eine Überraschung.“

Auslöser war Eigenbedarf

Mehr als nur unvorteilhaft findet die Beauty-Spezialistin auch die Tätowierung von Moderatorin und Sängerin Michelle Hunziker: „So eine wunderschöne Frau mit so einem grauenhaften Tattoo – das zerstört das ganze Bild“, sagt sie. Claudia Kritzenberger weiß, wovon sie spricht. Fast an der gleichen Stelle am Oberarm hatte sie selbst eine Tätowierung. Mit Schaudern erinnert sie sich an das Häschen und ihren Vornamen darunter. Von beidem sieht man natürlich schon lange nichts mehr.

„So bin ich überhaupt dazu gekommen, mich auf Tattoo-Entfernung zu spezialisieren.“ Der Auslöser sei reiner Eigenbedarf gewesen. Damals, im Jahr 2003, habe sie ihre Tätowierung eliminieren lassen und dazu jedes Mal nach Nürnberg fahren müssen, weil es in Regensburg keine entsprechende Behandlungsmöglichkeit gegeben habe. Nicht nur deshalb sei ihr schnell klar gewesen, dass es auf diesem Gebiet einen Bedarf gebe. Auch ihr früherer Untermieter, ein Schönheitschirurg, habe ihr dazu geraten, sich mit einem Institut zur Tattoo-Entfernung selbstständig zu machen. Und in Gesprächen mit Bekannten und Freunden sei ebenfalls erkennbar gewesen, dass ein Markt dafür vorhanden sei.

Claudia Kritzenberger hängte ihren Job an den Nagel, bildete sich auf Schulungen und Seminaren weiter und investierte. 90 000 bis 100 000 Euro kostet ein sogenannter Nd:YAG-Laser, der je nach Modell zur Haar- bzw. Tattoo-Entfernung eingesetzt werden kann und von denen sie inzwischen mehrere in ihren Praxisräumen stehen hat.

Pigmente werden gesprengt

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Foto: Kritzenberger

Medizinisch gesehen werden damit die Farbpigmente, die in der Haut durch die Tätowierung eingekapselt sind, durch einen Laserstrahl mit ex-trem kurzen Impulsen beschossen. Dadurch werden die Pigmente gesprengt, die einzelnen Farbpartikel zerkleinert und die Verkapselung aufgelöst. In den Folgetagen wird die Farbe vom körpereigenen Immunsystem als Fremdkörper erkannt, von den Fresszellen aufgenommen und über das Lymphsystem abtransportiert. Der Laser zerstört dabei also nur die Farbelemente in der Haut und nicht das Gewebe selbst.

Pro Behandlung berechnet Claudia Kritzenberger ab 99 Euro, auf die genaue Dauer des Prozesses – und damit letztlich auch die Gesamtkosten – mag sie sich aber nicht festlegen: „Bei einem Kunden ist das Tattoo nach fünf Sitzungen weg, bei einem anderen braucht man zehn Behandlungen, und selbstgestochene Tätowierungen können oft schon nach drei Terminen verschwunden sein.“ Es gebe so viele Faktoren, die dabei eine Rolle spielten wie die etwa auch Farbzusammensetzung der Tätowierung, die Art und Tiefe des Pigmenteintrags, die Größe des Tattoos und die Reaktionsfähigkeit des körpereigenen Immunsystems.


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Foto: Kritzenberger

Fest stehe nach den Worten von Claudia Kritzenberger, dass es für alles eine Lösung gebe und letztlich jede Tätowierung beseitigt werden könne: „Die rund 2000 Laserimpulse, die für die Entfernung eines Tattoos normaler Größe benötigt werden, sind jedenfalls nicht in den Wind geschossen.“

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