Menschen

Liquid - Mundart-Rap aus der Oberpfalz

Er kommt aus Regenstauf und spielt gekonnt mit dem Oberfpälzer Dialekt. Wir haben uns mit Liquid unterhalten und wollten wissen wieso er, nicht wie viele seiner „Kollegen“, auf bayerisch rappt.

Facts

- 1990 geboren

- Erstes Album 2012 „Lalilelolu“

- Genre: HipHop, Rap, Mundart

- Homebase: Regenstauf

Hallo Liquid, wieso hast du dich für Oberpfälzer Rap-Musik entschieden? Viele deiner „Kollegen“ rappen ja ausschließlich auf Deutsch.

Servus. Ich hab mich hauptsächlich dazu entschieden im Dialekt zu Rappen weil ich privat auch so rede. Als ich anfing zu Rappen war das noch auf Hochdeutsch und ich versuchte mein Bayerisch nicht durchklingen zu lassen. Was für mich immer sehr schwer war, als Oberpfälzer vom Land. Daher haben Leute aus Berlin etc. auch immer sofort rausgehört, dass ich Bayer bin. Darum hab ich dann irgendwann komplett darauf verzichtet meinen Dialekt zu verstecken und hab angefangen die Texte so zu schreiben wie ich sie sprechen würde. Darum Rappen viele meiner "Kollegen" auch ausschließlich auf Deutsch, weil sie meist ausschließlich so sprechen.

Was verbindet dich mit Regensburg?

In erster Linie die Leute die ich hier kenne und meine Familie. Das sind für mich die wichtigsten Dinge im Leben und ohne die beiden könnte ich auch nicht. Als ich bei der Bundeswehr war, war ich in Ulm stationiert und dass ich nur am Wochenende heimkommen konnte, hat mich innerlich fertig gemacht. Die Tortur war immer erst dann vorbei, wenn ich Freitag nachmittags den Regensburger Sendeturm erblickt habe. Da wusste ich immer, jetzt bin ich wieder zuhause.

Wie sieht dein Alltag als Bayerischer Rapper aus?

Ich arbeite neben der Musik noch, auf 30% beschäftigt. Das heißt ich gehe von Montag bis Mittwoch halbtags arbeiten. Außerdem machen Maniac und ich einmal monatlich die Liquid & Maniac Show bei Puls. Das ist unsere Radioshow die jeden dritten Freitag im Monat auf Puls läuft. Dazu versuche ich 3 mal die Woche zu Trainieren oder Skateboard zu fahren, als sportlicher Ausgleich. Die restliche Zeit mache ich Musik oder unternehme Sachen mit meiner Freundin, Freunden oder der Familie. 

Wie bist du überhaupt zum Rappen gekommen? Warst du schon immer musikalisch?

Ich habe mit ca. 12 oder 13 Jahren angefangen Gitarrenunterricht zu nehmen und habe lange E-Gitarre gespielt. Zum Unterricht gehörten auch erste Live Auftritte im Jugendzentrum. Mit 16 wurde dann mein Interesse aufs Recording und Hip Hop gelenkt. Kumpels hatten sich ne MPC 1000, Mic und ein Aufnahmegerät zugelegt und haben angefangen selber Beats zu bauen und Raps aufzunehmen. Das fand ich so cool, dass ich auch angefangen habe meine ersten Texte zu schreiben und aufzunehmen.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Ich habe sehr viele musikalische Vorbilder und je nachdem welche Musik ich zur Zeit höre, ändert sich das immer wieder. Aber die wichtigsten zwei, die mich irgendwie immer begleiten sind Madlib und J Dilla. Man kann auch sagen, das alles was in unserer Radioshow gespielt wird zu meinen musikalischen Vorbildern gehört; zumindest für die Zeitspanne in der ich die Alben der Künstler höre.

Schreibst du deine Texte alle selbst? Wenn ja, welchen Einfluss hat die Oberpfalz auf deine Musik?

Ja, ich schreibe alle meine Texte selber. Die Oberpfalz bietet dazu den Raum meiner Inspiration. Alles worüber ich schreibe ist mir meist in der Oberpfalz passiert oder kenne ich eben von hier. Genau wie Kendrick Lamar seine Inspiration merklich aus Compton bezieht ist das bei mir nicht anders. Hier spielt sich die meiste Zeit meines Lebens ab und hier entstehen die Geschichten dazu.

Gab es einen "Schlüsselmoment", ab dem du gemerkt hast, dass du mit deiner Art des HipHops und Rapps erfolg haben wirst?

Eigentlich gleich mit dem ersten Video, das ich veröffentlicht hab. Der Polt-Remix hat innerhalb eines Tages 10.000 Klicks auf YouTube bekommen und hat jetzt schon lange die Millionen Klicks erreicht. Das zeigt mir immer noch, dass die Leute Bock auf was neues, frisches haben. Auch auf meinen Auftritten merke ich immer wieder, wieviel manchen Leuten meine Musik bedeutet und das motiviert mich weiter zu machen und noch besser zu werden in dem was ich mache.

Sind weitere Tracks wie der Wolli-Track mit deinem auch bayerisch-Mundart-rappenden-Spezl Maniac geplant? Man hört ja ihr könnt euch privat auch gut leiden...?

Ja klar, Maniac und ich können uns super leiden. Wir machen jetzt schon einige Jahre miteinander Musik und es macht einfach richtig Spaß mit ihm. Er ist auch musikalisch gesehen mein größter Input und ich lerne sehr viel von ihm. Zur Zeit arbeiten wir an einem neuen Album und werden weiterhin unsere Radioshow zusammen machen.

Herzlichen Dank an Liquid für das sympathische Interview!

(Fotos: Christoph Gabler, Text: Julian Koller)

Die LOOK Redaktion

Claudia Niebauer & Doris Melchner

JETZT TEILEN

Mehr aus Menschen