Mode & Trend

Shoppen: Junge Ideen rocken die Altstadt

Konzeptläden gibt es nicht nur in München oder Berlin. Einzelhändler wie Leo Schlager bringen den neuen Trend jetzt auch nach Regensburg.

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REGENSBURG. In Metropolen wie München oder Berlin gibt es längst Pop-up-Stores. Das sind Geschäfte, die Leerstände nutzen und nur für ein paar Wochen oder eine Saison öffnen. Der Trend ist in Regensburg angekommen. Einzelhändler Leo Schlager verkauft diesen Winter in der Königsstraße junge, individuelle Mode. b.fashion nennt sich der Pop-up-Store – genau wie sein Hauptgeschäft in der Schäffnerstraße, das er seit elf Jahren betreibt.

Mit Pop-up Interesse wecken

Schlagers Motivation: Er hofft, in der A-Lage Königsstraße mit ihrer beträchtlichen Frequenz neue Kunden zu gewinnen. „Mit sehr guter Ware und Topservice“, sagt er und deutet auf die Winterjacken mit pelzgesäumter Kapuze, die an einer Kleiderstange hängen. Die Vorweihnachtszeit sei ideal für den Textilhandel. Die Pop-up-Möglichkeit in dem eleganten, grau gehaltenen Raum mit Barockspiegel nutzt der 31-Jährige auch, weil er in der Schäffnerstraße viel investiert hat und deshalb nicht umziehen möchte. Das Hauptgeschäft lebt von Stammkunden.

Ein weiteres Kurzzeitgeschäft hat sich in der Gesandtenstraße angekündigt. „We are Socks“ wird ab November Fußbekleidung mit ungewöhnlichen Mustern anbieten. Bislang hatten die Regensburger Pop-up als kulturelle Zwischennutzung leerstehender Läden kennengelernt. Vorsitzende Julia Sperber und ihre Mitstreiter vom Verein con_Temporary haben schon sechsmal Räume mit DJ-Auftritten, Kunstausstellungen, einer offenen Bühne und Konzerten bespielt. Allerdings ohne kommerziellen Hintergrund. Bei dem Verein geht es um die Förderung junger Kreativer. „Gerade bei den Leerständen in der Innenstadt kommen viele Leute vorbei“, sagt die 25-Jährige.

Günter Hölzl, Bezirksgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands, hält viel von Zwischennutzungen, weil sie „viel besser sind als jeder Leerstand“. Rund 500 Läden gibt es in der Altstadt, 25 bis 30 sind verwaist – genauso viele wie im Vorjahr. Besonders betroffen: die Maximilianstraße mit drei ungenutzten Einzelhandelsflächen. Als Vertreter der Kaufleute zieht Günter Hölzl freilich kommerzielle Pop-up-Nutzungen den kulturellen vor. Ein Saisonladen sorge für höhere Besucherfrequenz.


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Beim zweiten Trend, der Schwung in die Regensburger Einkaufswelt bringt, handelt es sich um die Konzeptläden, die einen Warenmix verkaufen. Etwa zwölf haben eröffnet, zuletzt „Nature & Découvertes“ in der Königsstraße. Er offeriert umweltfreundliche Produkte aus Frankreich für die ganze Familie. Biotees, Outdoorzubehör wie Rucksäcke und pädagogisches Spielzeug zählen dazu. Filialleiter Chris Geragthy deutet auf die „Charta“ des Unternehmens, die an einer Säule zu lesen ist. Die Stiftung von „Nature & Découvertes“ engagiert sich im Vogel- und Umweltschutz. Außerdem veranstalten die Franzosen Workshops, die den Kunden helfen sollen, „zurück zur Natur und zu sich selbst zu finden“. Die erste deutsche Filiale hat das Unternehmen 2014 in München angesiedelt, Regensburg ist der dritte Standort. Warum die Domstadt? Geragthy schwärmt von der Schönheit Regensburgs. „Es gibt eine neue Dynamik in der Innenstadt.“ Viele Läden machten auf. „Die Leute hier sind sehr neugierig auf neue Konzepte“, sagt er.

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Zwei Kunden bestätigen das. Renate P. kostet gerade den Biohonig. „Ich bin begeistert von dem Laden“, lobt die Regensburgerin. „Frankreich hat einfach gute Produkte.“ Achim Schmidt, ein Tourist aus Kevelaer, freut sich darüber, dass er im Welterbe Geschäfte findet, „die es anderswo nicht gibt“. Besonders die Produktreihen für die ganze Familie haben es ihm angetan.

„Es gibt eine neue Dynamik in der Innenstadt. Die Leute hier sind sehr neugierig auf neue Konzepte. Chris Geragthy, Filialleiter „Nature & Découvertes“

Die Essenz eines Konzeptladens? Günter Hölzl vom Einzelhandelsverband erklärt: „Man erlebt, dass man als Kunde wichtig ist. Das Gefühl will doch jeder haben.“ Ein Beispiel: Bei „Nature & Découvertes“ schenke ein Mitarbeiter Tee an jeden Kunden aus. „Diese Dinge überraschen. Die Leute zieht es nur in die Stadt, wenn sie etwas Außergewöhnliches bekommen, das es sonst nirgends gibt.“ Ingo Saar von Faszination Altstadt gefällt „Frida“ in der Roten-Hahnen-Gasse. „Die haben alles, vom Accessoire bis zum Möbelstück. Spannend.“ Die Konzeptläden GEA in der Wahlenstraße, der sich auf Gehen, Sitzen, Liegen spezialisiert hat, und Ludwig3 in der Ludwigstraße schätzt Saar ebenfalls.

Günter Hölzl stören die Leerstände. „Auch wenn immer gesagt wird, dass hier alles so toll ist.“ Doch die zwei neuen Einzelhandelstrends stimmen ihn zuversichtlich. Altstadtkümmerer Alfred Helbrich weiß von etlichen Läden, die demnächst starten werden, – aber auch von schwierigen Objekten, die wegen zu hoher Mieten oder ungünstiger Räume schwer an den Mann zu bringen sind. Was Hölzl und Helbrich fürchten, ist die im kommenden Jahr beginnende, dringend nötige Sanierung der Fußgängerzone. Denn für die Händler bedeutet sie eine Durststrecke.

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