Essen & Trinken

Möhren und Co: Gibt es Sonnenschutz von innen?

Wer sich übers Jahr ausgewogen und vielseitig ernährt, kann der Haut im Sommer Gutes tun - und sogar den Lichtschutzfaktor leicht erhöhen. Trotzdem führt kein Weg an Sonnencreme vorbei.

Möhren, Nüsse, Haferflocken - es gibt eine ganze Reihe von Lebensmitteln, denen ein positiver Einfluss auf die Haut nachgesagt wird. Manche sollen gar für eine Art natürlichen Sonnenschutz sorgen. Oder für eine Bräune ganz ohne Sonne. Tatsache ist: Von einer gesunden Ernährung profitiert die Haut. Sonnenschutz aus Cremes oder Sprays kann sie aber nicht ersetzen. Und das mit Bräunen stimmt so auch nicht ganz. Ebenso wie andere Organe ist auch die Haut auf eine Versorgung mit Vitaminen, Mineralien und Nährstoffen angewiesen. Mit Hilfe von Vitamin A zum Beispiel werden neue Hautzellen gebildet. Das ist vor allem dann wichtig, wenn die Haut geschädigt wurde - etwa durch einen Sonnenbrand, erklärt Diätassistentin Margret Morlo. Vitamin A kommt zum Beispiel in Milchprodukten, Möhren und Fisch vor.

Gelegentlich könne man auch lesen, dass Vitamin A einen milden Sonnenschutzfaktor von zwei bis drei aufbaut, sagt Stefan Kabisch, Studienarzt am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Aber: "Die dafür nötigen Beta-Carotin-Dosen liegen so hoch, dass man täglich kilogrammweise Möhren essen müsste. Bei Rauchern bleibt der Effekt komplett aus." Vitamin A schützt nicht vor Sonnenbrand, sagt auch Morlo. "Wenn die Haut einer Stresssituation ausgesetzt ist, und starke Sonneneinstrahlung sowie Sonnenbrand sind Stress für die Haut, dann ist es jedoch wichtig, dass der Mechanismus der Haut einwandfrei funktioniert."

Sonnenschutz Von Innen 2
Möhren wird nachgesagt, dass sie die Haut bräunen und sie zugleich vor Sonne schützen. Tatsächlich müsste man kiloweise Möhren essen, um überhaupt einen schützenden Effekt zu erzielen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Diese Vitamine sind wichtig für die Haut

Neben Vitamin A trägt dazu auch Vitamin C bei. Es hilft der Haut, Feuchtigkeit zu regulieren. Dafür sind Zitrusfrüchte, Paprika, aber auch Kartoffeln gute Lieferanten. Und auch Vitamin E und B-Vitamine spielen eine wichtige Rolle bei der Hauterneuerung: Sie werden vor allem benötigt, wenn man Wunden hat. Diese Vitamine finden sich in Getreideprodukten, allen voran Vollkorngetreide, aber auch in Gemüse und Milchprodukten. Manche Vitamine sind zudem in der Lage, sogenannte freie Radikale abzufangen. "Sonnenenergie ist letztlich Strahlungsenergie, die so intensiv ist, dass sie Molekülstrukturen zerstören kann", erläutert Kabisch. Dabei entstehen Molekülbruchstücke, die freien Radikale. Diese Bruchstücke greifen andere Moleküle an und können sie so verändern, dass sie ihre eigentliche Funktion verlieren. Das können zum Beispiel Proteine sein, die eine essenzielle Funktion im Zellstoffwechsel haben.

"Einige Vitamine, insbesondere Vitamin C, sind in der Lage, diese Radikale abzufangen, zu entgiften und unschädlich zu machen." Stefan Kabisch, Studienarzt am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Eine weitere Substanz, die beim Sonnenschutz eine Rolle spielt, steckt in Tomaten: Lycopin fängt als Antioxidans aggressive Sauerstoffverbindungen ein, die infolge der UV-Strahlen entstehen, und macht sie unschädlich. So schützt Lycopin nicht nur vor den kurzwelligen UVB-Strahlen, die Sonnenbrand auslösen, sondern noch weitaus besser vor den langwelligen UVA-Strahlen, die vor allem Falten verursachen, erklärt Jean Krutmann, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Leibniz Instituts für Umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf.

Ausgewogene Ernährung als Grundstein

"Man muss jedoch beachten, dass es mehrere Wochen dauert, bis sich der Schutz aufbaut", sagt Krutmann. Und auch dann erzielt man nur einen Lichtschutzfaktor von fünf bis sechs. Einen veritablen Sonnenschutz kann man sich also nicht anfuttern. Es ist eher so: Wer sich ausgewogen ernährt, schafft eine gute Basis für einen Tag in der Sonne. Spezielle Mittelchen, wie sie im Sommer in vielen Regalen stehen, brauchen gesunde Menschen dafür nicht, erläutert Kabisch. Carotin-Kapseln beispielsweise enthalten eine Vorstufe von Vitamin A und werden mitunter als natürliches Bräunungsmittel beworben. Der Studienarzt allerdings stellt klar: "Sie machen nicht braun. Das, was man sieht, sind orangefarbene überschüssige Ablagerungen des Carotins in der Haut, das sich erst langsam wieder abbaut."

Sonnenschutz Von Innen 1
Zitrusfrüchte sind reich an Vitamin C. Dieses Vitamin ist neben anderen wichtig für eine gesunde Haut. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Zudem besteht bei allen fettlöslichen Vitaminen, E, D, K und A, die Gefahr der Überdosierung, wodurch Krankheitsrisiken insbesondere für Tumore steigen können. Eine Überdosierung an Vitamin A kann Leber, Haut und Knochen schaden, sagt Kabisch. Nach dem Motto "viel hilft viel" Nahrungsergänzungsmittel zu schlucken, ist also keine so gute Idee. Stattdessen sollte, wer sich hautgesund ernähren will, eins nicht vergessen: Auch genügend Flüssigkeit gehört unbedingt dazu. Die bekommt die Haut am besten aus Mineral- und Leitungswasser, ungesüßten Kräuter- oder Früchtetees. Flüssigkeit dient der Aufpolsterung der Haut und verleiht ihr mehr Spannkraft, sagt Morlo. Ein rein kosmetischer Effekt ist das nicht. Denn ist die Haut gut aufgepolstert, kommt sie auch besser mit Stress zurecht - also auch mit Sonne.

Text: Nikta Vahid-Moghtada, dpa Titelfoto: Christin Klose/dpa
JETZT TEILEN

Mehr aus Essen & Trinken