Look Littarist 8

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Littarist

Der Regensburger Rapper mit der markanten Stimme unterscheidet sich vor allem textlich von seinen Kollegen. Die lyrischen Nadelstiche sind sein Markenzeichen. Line für Line baut sich in jedem seiner Songs ein fein gesponnenener roter Faden auf, der die Geschichten des jungen Litti erzählt. Gerade ist er auf dem Sprung raus aus der idyllischen Domstadt in die Großstadtanonymität.

Facts

- Genre: HipHop, Rap

- Homebase: Regensburg

Hey Litti, herzlich Willkommen. Wieso hast du dich für Deutsche Musik entschieden? Viele deiner Kollegen Rappen ja ausschließlich auf Englisch?

Danke für die Einladung! Ich bin über amerikanischen Rap zum Hip Hop gekommen, aber da war Deutscher Rap auch schon präsent. Ich bin deutschsprachig aufgewachsen und es soll ja authentisch bleiben! Ich habe ein halbes Jahr in Frankreich gelebt, dort war ich mal auf einer Open Mic Session und hab ein paar Zeilen auf Französisch und Englisch gerappt. In so einem Kontext ist das cool. Auf der Session habe ich auch zwei Franzosen kennengelernt, mit denen ich direkt am nächsten Abend einen Song aufgenommen habe.


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Was verbindet dich mit Regensburg?

Ich bin hier aufgewachsen. Hier habe ich auch angefangen Musik zu machen und in der Szene Fuß zu fassen, was mir denke ich sehr gut gelungen ist. Lokalpolitische Geschichten spiegeln sich auch immer wieder in meinen Texten wieder. Mein erstes Projekt „Stadtmusikant“ hat für viele Regensburger Kultstatus - wenn man zwischen den Zeilen liest, kann man den Heimatbezug in jedem Song erkennen. Meine Musik ist allerdings nicht nur für Regensburger! Über Spotify und Youtube kommen meine Tracks ja in alle Ecken Deutschlands. Regensburg gehört inzwischen nicht mehr zu den Städten, in denen ich am meisten gehört werde.

Was machst du zur zeit?

Vor einem Jahr habe ich das letzte Album "Die letzte Olive"(EP) mit 8 Songs veröffentlicht.. Die letzte Videoauskopplung "Großstadtanonymität" kam jetzt vor kurzem raus. Wir haben das Video mit Ueberbild in Paris gedreht. Der Track thematisiert die Anonymität in der Großstadt, die man in Regensburg so nicht hat. Wie bleibt man anonym, wenn man gleichtzeitig alles für den Erfolg tut? Wie lässt man sich nicht beirren, in dem was man tut, wenn einem doch keine Meinung egal ist? Solche Fragen beschäftigen mich. Das zweite Video heißt "Drück Repeat" und besteht aus selbst zusammengeschnittenen Instagram-Story Schnippseln. Also ausschließlich Sequezen aus meinem privaten Archiv, die ich letztes Jahr für jeweils 24 Stunden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe. Das hat natürlich nicht den cineastischen Look wie das Paris-Video, aber ist dafür in Sachen Authentizität nicht zu überbieten. Hier werden Lifestyle, Rituale und Eigenheiten meiner Kleinstadtidylle thematisiert. "Jeder kennt hier jeden - das ist ok!" Es ist wie ein Kontrastprogramm zur Großstadtanonymität. Beide Beats stammen von Regensburger Produzenten. Mit einem der beiden habe ich gerade auch einen neuen Song rausgehauen.

Wie sieht dein Alltag als „Rapper“ aus?

Ich schreib grade an meiner Abschlussarbeit über Digitale Vermarktungskonzepte - beschäftige mich auch außerhalb meines Musikerdaseins mit Musik. Ich habe früher auch selbst produziert, Songs mische ich immer noch selbst ab. Klar hat man seine Alltagsrituale, aber bei mir ist zum Glück jeder Tag anders. Ich versuche jeden Tag an mir selbst zu arbeiten - ob in der Arbeit, beim Sport oder auch in zwischenmenschlichen Beziehungen.

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Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

J. Cole und Drake sind wahrscheinlich die Rapper die ich seit Jahren am meisten höre. Rapmäßig bin ich immer am Puls der Zeit und versuche mir alles anzuhören. Ich konsumiere das gerne und finde die Entwicklung in der Deutschrap-Szene interessant. Gerade die Einflüsse aus dem Dancehall letztes Jahr und die ganze Afro-Trap-Schiene. Nur hört sich viel Musik sehr schnell sehr gleich an. Mir fehlt bei der ganzen Soundästhetik und Rhythmik oft der lyrische Aspekt. In den letzten Jahren sind viele gute Rapper rausgekommen, die textlich nicht abliefern. Ich bin da zu sehr Rapfan und will einem bestimmten lyrischen Anspruch gerecht werden. Ich will auch nachhaltig Messages hinterlassen. Trettmanns letztes Album „DIY“ finde ich sehr gut. Moderner Sound mit starken Texten. Ansonsten höre ich viel Indie und Folk.

Was geht bei dir gar nicht?

Musikalisch? Ich finde das neue Eminem Album zum Beispiel nicht so stark. Aber gut, der hat alles erreicht. Ich habe ihn auch vor einigen Jahren mal in Detroit live gesehen mit Jay-Z. Das Konzert war natürlich episch. Da bin ich gerade aus einem reichen Vorort von Chicago in die frühere Automobil-Metropole gekommen, in der zu dem Zeitpunkt gefühlt mehr Geisterhäuser standen als Menschen gelebt haben. Da habe ich angefangen diesen Melting-Pot zu verstehen. Der American Dream ist für viele eher Alptraum und Mythos als Realität

Schreibst du alle deine Texte selber? Welchen Einfluß hat die Oberpfalz auf deine Musik?

Ich schreibe alles selbst. Meine Umwelt und Lifestyle sind die größten Einflussfaktoren. Gerade die stattfindende Gentrifizierung in meiner Heimatstadt wird oft thematisiert. Klar, Tante Emma ist tot und wir brauchen neuen Wohnraum. Aber lasst mir doch bitte die Kneipen und Kulturtreffpunkte, die es nicht in jeder zweiten Stadt gibt und in denen meine Eltern vielleicht früher schon abgehangen sind. Das soll jetzt nicht konservativ klingen, aber gewisse Traditionen dürfen schon aufrecht erhalten werden.

Litti zielt mit zeitlosen Punchlines auf den Zeitgeist seiner Musik. Mit der Attitüde eines Newcomers und der Delivery eines Veteranen reflektiert der junge Regensburger auf atmosphärischen Beats seinen Lifestyle und seine Umwelt.

Deine HotSpots in Regensburg?

Mein Lieblings-Imbiss RiceCorn, ehemals Kuk, in der Obermünsterstraße: unglaublich leckere vietnamische Küche. Ich stehe generell sehr auf südostasiatische Küche. Ansonsten besuche ich gerne meine Lieblings-Barkeeper in der Vinyl-Bar, wo immer ein DJ auflegt. Ich gehe außerdem gerne in die Heimat – die Bar in der ich früher selbst lange neben dem Studium gearbeitet hab. In Clubs gehe ich hier nicht so häufig, was in erster Linie an dem austauschbarem Standardprogramm liegt.

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Wo hältst du dich auf?

Aktuell in Regensburg. Stehe aber gerade kurz vorm Umzug. Ich war jetzt eh ein knappes Jahr in München und jetzt geht’s raus in die nächst größere Stadt.

Was wirst du an Regensburg vermissen?

Sehr gute Freunde und die gewohnte Umgebung mit dem Netzwerk, das ich mir über die Jahre aufgebaut habe. Das habe ich in einer neuen Stadt natürlich noch nicht, aber ich bin offen neue Leute kennenzulernen und sehe das Ganze als Chance mich nochmal weiterzuentwickeln. Ich kenne hier alles und freue mich auf die neue Herausforderung und lasse auch ein paar Altlasten hinter mir. Zudem finde ich es auch interessant neue Mentalitäten und Kulturen kennenzulernen, ich denke mein Freundeskreis besteht auch nicht aus typischen Oberpfälzern. Wir passen in keine Schublade. Hier wirst du oft schief angeschaut, wenn du Regeln brichst, die den Leuten seit Jahrzenten vorgelebt werden. Sowas kann ich nicht nachvollziehen.

Was hast du für deine Zukunft geplant?

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Musikalisch will ich mehr Reichweite, indem ich viel raushaue und neue Leute finden, mit denen man längerfristig zusammenarbeiten kann. Ich kann mir auch eine Zusammenarbeit mit einem Label vorstellen. Da kommen auch immer wieder mal Anfragen. Solange es nicht wirklich passt, mache ich aber lieber alles selbst. Mein Motto ist: machen, machen, machen. Ich war jetzt gerade für die HipHop.de Awards nominiert, als Best upcoming Artist. Da kommen in nächster Zeit einige sehr interessante Dinge!

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Text: Julian Koller, Fotos: Lukas Lang

DIE LOOK-Redaktion

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