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Menschen

Tino Lex – Aus dem Leben eines Reporter-Urgesteins

Mit seinen 30 Jahren Presseerfahrung hat er viel erlebt. Wie sich das Stadtleben in dieser Zeit verändert hat und für welches Promifoto er sogar auf einen Baum geklettert ist, erzählt er bei uns im Interview.

Tino Lex Mit Hasi Im Fotoshooting F Ostern 1995
Immer nah am Geschehen: Tino Lex

Das Leben schreibt Geschichten und Tino Lex bringt sie zu Papier. Seit 30 Jahren widmet sich der Regensburger mittlerweile den kleinen und großen Ereignissen in der Stadt, fotografiert die Geschehnisse der Region aus Hubschraubern und von Gerüsten aus, in eisiger Kälte und dampfender Hitze. Dank Journalisten wie ihm sind die Zeitungen lebendig, die Menschen informiert und die Prominenz überhaupt erst prominent.

Der rasende Reporter

Tino Lex Mit Helm Auf Fototour1

Angefangen hat alles zu einer Zeit, in der die Fotografie noch ohne Automatik und das Leben ohne Internet war. „1985 habe ich mit dem Fotos machen angefangen, damals mit einer Porst CR3. Man musste den Zusammenhang zwischen Zeit und Blende verstehen, um überhaupt vernünftige Bilder machen zu können“ erzählt Tino Lex. Drei Jahre später kam er dann als Fotograf zum Wochenblatt. Sein erster Termin war die Nominierung von SPD OB-Kandidatin Christa Meier, bei dampfiger Luft und Zigarettendunst im Gewerkschaftshaus. Trotzdem wurde sein Foto gut und hat es gleich auf die nächste Titelseite geschafft. Wie als Szene einer „Kir-Royal“ Folge ging es am 3. Oktober 1988 weiter: Als Franz-Joseph Strauß nach seinem Zusammenbruch im Thiergarten ins Regensburger Krankenhaus der Barmherzigen Brüder eingeliefert wurde, kletterte der Jungfotograf Lex auf einen Baum, um besser in dessen Zimmer sehen zu können. Die Aktion war zwar leider kein Erfolg - die Polizei nahm in vorläufig fest und seine Filme wurden geklaut – jedoch war von da an Tino Lex’ Reportertrieb geweckt.

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Ein denkwürdiger Tag: die Totenwache für Fürst Johannes 1991 in Regensburg

Baby Schimmerlos und Herbie Fried in einer Person

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Kurze Zeit später fing Tino Lex das Schreiben an, absolvierte sein Volontariat beim Wochenblatt und berichtete über alles, was in und um Regensburg passierte: der Besuch von Bundeskanzler Kohl am Domplatz, den Tod von Fürst Johannes, aber auch Eishockeyspiele bei Minusgraden im alten Eisstadion und Sport in der Region. „Ich war damals auf jedem Fußballplatz zwischen Wörth und Hemau unterwegs“, lacht Tino Lex. Jeden Montag wurden bis 3 Uhr in der früh die Fotos entwickelt und die Zeitung gesetzt. „Ich war damals ein Meister mit der Schere, dagegen ist die Zeitungsarbeit von heute eine Leichtigkeit“, erzählt er. 2003 wechselte er dann als Sportfotograf zur Mittelbayerischen Zeitung und eröffnete parallel dazu sein eigenes Fotostudio in Donaustauf – mittlerweile mit Digitalkamera und deutlich modernerem Equipment. Die Zeitung war aber doch immer sein liebstes berufliches Zuhause und so ist Tino Lex seit 2010 fest bei der Mittelbayerischen Zeitung. Sein erster Einsatz führte ihn hoch in den Himmel über der Domstadt, vom Hubschrauber aus hat er das damalige Hochwasser fotografiert und sein Bild der Überschwemmung beim Salzstadel prange am nächsten Tag auf der Titelseite der knapp 110.000 auflagestarken Zeitung.

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Tino Lex' Schnappschuss von Kanzlerin Merkel mit einem Fan in Regensburg

Was braucht ein guter Zeitungsfotograf?

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bewegender Moment: der Papstbesuch 2006 in Regensburg

Die Zeiten haben sich geändert, mittlerweile gibt es unzählige Hobbyfotografen mit tollen Ergebnissen, tausende Newsseiten und regionalen Klatsch und Tratsch in den sozialen Medien, wofür braucht es also hier noch Profis wie Tino Lex? „In schwierigen Situationen schnell und zuverlässig Fotos machen, das muss ein Zeitungsfotograf können“, erzählt er. Außerdem benötigt es Menschenkenntnis und das Gespür für Situationen, um die wirklichen „Storys“ zu erkennen und seriös und fundiert darüber zu berichten (Seriösität, die bei manchen Social Media News gänzlich fehlt). Tino Lex kennt die Stadt, seine Bewohner und ihre Geschichten wie kaum ein anderer. „Regensburg hat sich verändert, es ist wesentlich bunter und weltoffener geworden“, erzählt er und fügt schmunzelnd hinzu: „nur das Parken wird selbst für Reporter wie mich immer schwieriger“. Wenn es ihm doch mal zu hektisch wird, gönnt er sich mit seiner Familie eine Auszeit in seiner „zweiten Heimat“ Salzburg. Bald fliegt er außerdem zum 25. Hochzeitstag mit seiner Frau Carmen und den beiden Kindern Nina und Michael (LOOK hat berichtet: Michael Lex – Regensburgs junger Ed Sheeran) nach Mallorca.


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gemeinsam mit seiner Frau Carmen in der "zweiten Heimat" Salzburg

In der Stadt wird sich auch in Zukunft einiges tun, es wird große und kleine Neuigkeiten geben, große und kleine Skandale und Storys von großem und eher kleinem Interesse. Immer am Ort des Geschehens, mit Kamera um den Hals und Block in der Tasche wird Tino Lex sich durch die Geschichten der Stadt schreiben und somit tausende MZ-Leser auch weiterhin zum Schmunzeln, Freuen, Nachdenken und Miterleben bringen.

Text: Valerie Fischer, Fotos: Tino Lex, H.C. Wagner

Die LOOK Redaktion

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